EnregistrerEnregistrer

ArtStadtBern vor dem Aus?

Wir sind ArtStadtBern
Alec von Graffenried


Anfang Juni 2021 wäre ArtStadtBern gewesen. Leider mussten wir die fünfte Ausgabe von
unserem Festival absagen. Nicht wegen Corona, denn mit unserem Sicherheitskonzept hätte
ArtStadtBern problemlos durchgeführt werden können. Unser Festival musste aus
finanziellen Gründen abgesagt werden: ArtStadtBern verfügt nicht über die nötigen
finanziellen Mittel, um seine Existenz weiter zu sichern. Falls nicht ein Wunder geschieht –
sprich: eine Institution wäre bereit, uns einen regelmässigen Beitrag zu garantieren oder die
Stadt Bern ist gewillt, eine Lösung zu finden, welche die Weiterexistenz unserer Biennale
sichert – sind wir gezwungen, das Festival definitiv zu begraben.


Dabei hatten wir alles richtig gemacht. Uns stützend auf das Motto der «Kulturstrategie» von
Kultur Stadt Bern, wonach die Instrumente der Kulturförderung «beratend, unterstützend,
aktivierend» wirken und «Impulse geben» sollten, haben wir zweimal mit den wichtigsten
Organisationen im Kulturbereich der Stadt Bern Gespräche geführt: das erste Mal 2018 mit
Vertreterinnen der Kunstkommission, um zu erfahren, wie das Festival sich weiterentwickeln
soll. Das zweite Mal – Anfang letzten Jahres, kurz vor Einreichung unseres Gesuches für die
diesjährige Ausgabe – mit Vertreterinnen von Kultur Stadt Bern.

Den Empfehlungen und Impulsen gefolgt
Den beim ersten Gespräch gemachten Empfehlungen und Impulsen der Kunstkommission
sind wir gefolgt. Beim Gespräch mit Kultur Stadt Bern haben wir zwei Anliegen besprochen.
Einerseits wollten wir erfahren, ob unser Gesuch und unser Festival den Anforderungen
entsprechen
. Anderseits haben wir Kultur Stadt Bern die Bedürfnisse von ArtStadtBern
offengelegt: Da wir immer mehr historisch bedeutsame Orte – wie der Erlacherhof, der
Zytglogge, die Antonierkirche, den Lenbrunnen – aber auch Wohnungen bespielten, war es
nicht mehr verantwortbar, dass wir den Empfang nur freiwilligen Personen überliessen. Eine
professionelle Betreuung dieser Orte drängte sich auf, um zu verhindern, dass ArtStadtBern
dafür haftbar gemacht würde, falls etwas passiert. Im Gegensatz zu anderen Festivals, bei
denen die Kunstschaffenden nicht finanziert werden, sind wir immer darauf bedacht
gewesen, den Kunstschaffenden einen Unkostenbeitrag zu bezahlen, der mangels
finanzieller Mittel leider immer sehr gering ausfiel. Last but not least, wäre es für uns auch
ein wichtiges Anliegen gewesen, unser minimales Werbebudget zu erhöhen, um
ArtStadtBern sichtbarer zu machen und um Medienpartnerschaften eingehen zu können.
Wir haben deshalb darum gebeten, den für die letzte Ausgabe gesprochenen Beitrag der
Stadt Bern von Fr. 20’000.– auf 30’000.– pro Ausgabe zu erhöhen (eine sehr kleine Summe in
Anbetracht der Grösse unseres Festivals). Da wir bei fast jeder Ausgabe einen
Riesenaufwand haben, um an finanzielle Mittel zu gelangen, wäre für uns auch wichtig
gewesen, dass wir einen regelmässigen Betrag von der Stadt Bern erhalten würden (d.h.: Fr.
30’000.– alle zwei Jahre).
Das Gespräch mit Kultur Stadt Bern verlief sehr gut. Es wurde uns sogar empfohlen in
Zukunft, das Festival auf drei Tage zu verlängern und auch den Sonntag einzubeziehen.
Weiter wurde uns empfohlen, unser Gesuch direkt bei der Kunstkommission einzugeben.

Unverständlicher Entscheid der Kunstkommission
Umso grösser war unser Erstaunen als wir im April als Antwort auf unser Gesuch erfuhren,
dass die Kunstkommission entschieden hat, ArtStadtBern nicht mehr zu finanzieren. Einzig
Alec von Graffenried hat sich bereit erklärt aus einem Kredit, über den der der
Stadtpräsidenten verfügen kann, ArtStadtBern 10’000 Franken zu gewähren. Der Entscheid
der Kunstkommission hat auch Konsequenzen auf die Beitragsprechung anderer
Institutionen. Unsere Bemühungen letztes und auch dieses Jahr eine andere Institution zu
finden, die bereit wäre, uns regelmässig zu unterstützen, blieben leider erfolglos. Dabei
haben wir unzählige Gesuche versandt. Auch erneute Gespräche mit Vertreterinnen von
Kultur Stadt Bern und der Kunstkommission brachten kaum Resultate. Es wurde uns
empfohlen ein Wiedererwägungsgesuch einzureichen. Falls dieses gutgeheissen würde,
würden zu den 10’000 Franken des Stadtpräsidenten nur zusätzlich weitere 10’000 Franken
gesprochen (also nicht der von ArtStadtBern beantragten Beitrag – siehe weiter oben).
Ausserdem würde es sich nur um einen einmaligen Betrag handeln.

Annulliertes Programm 2021 auf sehr hohem Niveau
Schade! Denn ArtStadtBern hätte den Kunstschaffenden wieder eine langersehnte
Ausstellungsplattform bieten können. Schade auch, weil 2021 wieder viele neue Orte
hinzugekommen wären. Auch das eindrucksvolle Aufgebot an Kunstschaffenden hätte sich
sehen lassen können: Schweizweit bekannte Kunstschaffende wie Manon, Giro Annen, Peter
Aerschmann, Omar Ghayatt, sowie weit über Bern hinaus bekannte Berner Kunstschaffende
wie Beat Feller, Michael Günzburger, Maia Gusberti, Filip Haag, Brigitte Lustenberger,
Gabriela Löffel, Sybilla Walpen usw. hatten ihre Mitwirkung zugesagt. Nicht zu vergessen die
prominenten Kunstschaffenden aus der Romandie – Claude Gigon, Cedric Bregnard, Romain
Crelier, Simon Deppierraz, René Lovy, und Virginie Otth.

Die Gastsparte Musik mit Franziska Baumann, Daniel Glaus, Simon Hostettler, Julian
Sartorius, Nadja Stoller und Katharina Suske hätte ein vielseitiges und musikalisch auf sehr
hohem Niveau stehendes Programm versprochen.
Besonders hervorheben möchten wir auch unser Abschlussfest. Dieses hätte im Münster
stattgefunden mit einem Konzert, bei dem die oben erwähnten MusikerInnen nochmals
aufgetreten wären.

Wie weiter?
Die Zukunft von ArtStadtBern ist ungewiss. Damit unser Festival weiterhin bestehen kann,
brauchen wir einen gesicherten regelmässigen Beitrag, der uns erlaubt unsere Kosten
abdecken zu können (betonen möchten wir, dass das ganze Organisationskomitee freiwillig
arbeitet). Einen regelmässigen Beitrag zu erhalten, ist für uns umso wichtiger, als wir jedes
Mal unzählige Stunden und Energie in die Finanzierungsgesuche aufbringen müssen. Es
würde uns erlauben, uns mehr auf die Organisation des Events und die künstlerische
Betreuung zu konzentrieren. Kostengenerierend sind vor allem die weiter oben erwähnten
Positionen (Aufsicht, Unkostenbeitrag an Kunstschaffende und Werbung), die für die
Weiterentwicklung von ArtStadtBern zentral sind. Momentan ist unser Festival auf 2022
verschoben. Wenn wir keine Institution finden, die uns regelmässig unterstützt, werden wir
ArtStadtBern einstellen müssen.

Willst du helfen? Melde dich bei uns.